Bio Bauer aus Überzeugung – Interview

Peter Mühlbachler, Vertragsbauer Leopoldstein


Warum betreibst du deinen Hof als Bio-Bauernhof?

„Ich habe den Betrieb, der schon seit 28 Jahren als Bio-Bauernhof geführt wird, vor 10 Jahren übernommen. Für mich ist es eigentlich nie zur Diskussion gestanden, dass ich umsteige auf konventionelle Landwirtschaft. Ich bin aus Überzeugung Bio-Bauer und will, dass es meinen Tieren gut geht. Es ist zwar auch nicht immer einfach - in der konventionellen Landwirtschaft tut man sich schon leichter - aber das macht es ja auch spannend.“

Was sind denn die Herausforderungen in der biologischen Landwirtschaft verglichen mit der konventionellen?

„Da gibt es viele, aber zum Beispiel beim Getreide mit der ganzen Unkrautbekämpfung oder beim Gülle ausbringen. In der konventionellen Landwirtschaft kann einfach gespritzt werden, da ist man schnell fertig. Ich muss striegeln, schauen wann ich das machen kann, weil das Wetter ja auch passen muss und mir das dann entsprechend einteilen.

Es macht einfach mehr Arbeit, aber das stört mich nicht und macht es ja auch interessant.“

Wie viele Tiere und Fläche umfasst dein Hof und was ist das Schöne daran Bio-Landwirt zu sein?

„Momentan habe ich 45 Rinder am Hof, 20 davon sind Kühe und der Rest ist die Nachzucht. Landwirtschaftliche Nutzfläche habe ich 33 Hektar und 11 Hektar Wald – also viel Arbeit. Aber ich mag das einfach! Auch deswegen, weil es nicht immer leicht ist. Ein bisschen eine Herausforderung braucht man ja auch.

Welchen Bestandteil spielen die Rinder und damit auch die Gülle am Hof? Wie fügt sich das in dem ganzen Betrieb ein und wie spielt das alles zusammen?

„Die Gülle die im Winter zusammenkommt wird in einer eigenen Grube gelagert. Im Frühling wenn der Schnee weg ist und das Wetter passt, kann ich die Gülle dann auf die Felder ausbringen. Dadurch wächst und gedeiht alles. Anschließend kann gemäht und wieder Gülle ausgebracht werden, insgesamt dreimal im Jahr. Das Ganze stellt einen Kreislauf dar in dem die Tiere ein integraler Bestandteil sind. Denn ohne sie bzw. die Gülle würde nichts wachse und die Tiere könnten nicht gefüttert werden.“

Wie ist das bei deinen Tieren, kennst du da jedes einzelne auseinander und baut man da auch eine Beziehung auf?

„Ja schon, man kann sich das jetzt nicht vorstellen wie bei einem Hund oder so, aber ich kenne schon jedes einzelne Tier. Ich weiß genau wer was mag und bei welchen man ein bisschen aufpassen und vorsichtig sein muss. Es gibt auch welche, die kommen her und schlecken einen ab, das ist ganz unterschiedlich. Also man baut schon eine Beziehung zu den Tieren auf ja.“






Wie ist denn dein täglicher Ablauf am Hof? Wann fängst du an, wann hörst du auf, gibt es überhaupt so etwas wie Feierabend?

„Jeder Tag ist anders. Ich muss nicht auf die Minute genau in den Stall. Wenn ich wach werde steh ich auf und trink erst mal einen Kaffee – also so einen ganz schnellen 5-Minuten Kaffee. Dann geh ich erst mal in den Stall, da brauch ich so eine halbe bis dreiviertel Stunde. Im Sommer sind die Rinder draußen, da habe ich in der Früh dann weniger Arbeit und bin schneller fertig. Und dann kommt es einfach darauf an, was ansteht - das ist ja sehr unterschiedlich.“

Die Rinder haben jetzt (in den Wintermonaten) ja auch immer einen Auslauf. Und im Sommer sind sie dann draußen und genießen die Weide?

„Ja genau, da haben sie dann nochmal mehr Platz. Zum Füttern und nachts sind sie dann im Stall. Da fühlen sich die Tiere aber auch wohl und kommen am Abend dann auch von alleine von der Weide zurück in den Stall.“

Wie ist das bei dir persönlich mit dem Fleisch essen, isst du ausschließlich Bio-Fleisch?

„Ja, ich esse hauptsächlich Bio-Fleisch, weil ich neben den Rindern selber auch Schweine und Hühner am Hof habe. Und Jäger bin ich, das heißt Wildfleisch esse ich auch.“

Wir von Rebel Meat versuchen ja das Konzept „weniger dafür besseres Fleisch essen“ (auch unter den Städtern) voranzutreiben. Wie findest du das?

„Ich finde das super! Wir alle sollten einfach auch mehr darauf achten, dass das Fleisch aus der Region ist. Argentinisches Rindfleisch zum Beispiel kostet ja fast mehr als mein Bio-Fleisch, ist aber aus konventioneller Tierhaltung. Auf dem langen Transportweg sind dann tausende von Tiere zusammengepfercht, aber das ist dann egal. Ich denke das muss bei den Menschen mal in den Kopf, dass es unseren Tieren dagegen gut geht.“

Was findest du sollte sich an der Art und Weise wie wir uns ernähren und an der Lebensmittelindustrie verändern? Gibt es da etwas, wo du dir wünschen würdest, dass das anders läuft?

„Ja, vielleicht im Speziellen die Fleischindustrie. Fleisch ist leider ein Massenprodukt, das wird billig rausgehauen und fertig. Aktionen und Angebote wie 1 Kilogramm Fleisch um 1 oder 2 Euro, wenn man da mal zum Rechnen anfängt und überlegt wie viel Arbeit da drin steckt - das kann sich nie ausgehen. Ich denke mir solche Aktionen gehören eigentlich verboten!

Und weil es viel zu billig ist, wird es von den Konsument*innen auch nicht wertgeschätzt. Wenn man mal ehrlich ist, geben manche mehr Geld für Hundefutter aus, das hat teilweise einen höheren Kilogrammpreis als ein konventionelles Schnitzelfleisch. Dass das nicht selbstverständlich ist und eigentlich auch nicht sein darf muss mal in die Köpfe der Leute, weil da ja auch wirklich viel Arbeit drin steckt.


Wie oft bringst du Tiere zum Biofleisch & Biowurst Produzenten „Sonnberg“, wo auch unsere Produkte hergestellt werden?

„Ich bringe eigentlich immer nur einzelne Tiere zum Sonnberg und das ungefähr 20 Mal im Jahr. Das mach ich persönlich und brauch ca. 20 Minuten. Also wirklich nur ein kurzer Transportweg, den die Tiere auf sich nehmen müssen. Da gibt es auch keinen Stress beim Einladen, weil die Rinder mich ja kennen und von alleine auf den Anhänger gehen.“

Und wie ist das dann für dich, wenn du Rinder zur Schlachtung bringst?

„Naja, groß nachdenken darf man darüber nicht. Aber es gehört nunmal auch dazu, wenn man Fleisch isst. Da muss man sich auch darüber bewusst sein, dass das ja auch jemand machen muss, das ist nunmal so. Ich hätte auch kein Problem damit die Tiere selber am Hof zu schlachten, wenn das rechtlich möglich wäre, dann hätten die Tiere gar keinen Stress. Das ist beim Jagen ja nichts anderes.“

Bekommen die anderen Rinder das mit, dass dann ein Tier weniger da ist?

„Das Muttertier bekommt das schon mit, der fällt schon auf, dass das 18-Monatige dann weg ist. Die schauen da hald auch, weil sie generell neugierig sind. Das ist auch so wenn ein kleines Kälbchen zur Welt kommt, dann stehen auch alle rundherum und schauen zu. Da weiß ich dann genau, dass es jetzt dann losgeht, weil alle zuschauen. Und ja, wenn ich dann ein Tier auf den Anhänger lade, dann bekommen das die anderen Rinder schon auch mit.“

Merkt man den Tieren dann an, dass sie nicht auf den Anhänger gehen wollen?

„Nein, die Rinder kennen mich ja und gehen freiwillig auf den Anhänger. Ich glaube das bekommen die erst später mit, dann wenn sie am Schlachthof stehen. Aber da verfallen sie auch nicht in Panik. Da wird beim Sonnberg auch besonders darauf geachtet, dass das für die Tiere stressfrei abläuft. Ich glaube nirgendwo anders haben die Mitarbeiter so viel Zeit für den Bestäubungsvorgang, das ist wirklich vorbildlich.“





55 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Lahmacun